IUCN- (International Union for Conservation of Nature) Einstufung:
Gefahrenklasse 7 – vom Aussterben bedoht
Merkmale
Der Wildhund ist das am wenigsten vorkommende Säugetier Afrikas. Mit Körpermaßen von nur 0,9 m Länge und 0,7 m Breite, und einem Gewicht von nur 25 kg ist er im Vergleich zu den Raubkatzen viel kleiner und schmächtiger. Da er seine Gliedmaßen nur geringfügig zur Seite bewegen kann, gehört er zu den ausdauernden Hetzjägern. Dabei erreicht er Geschwindigkeiten bis zu 55 km/h, die er über mehrere Kilometer beibehalten kann. Aufzeichnungen vermerkten das Wildhunden beim durchstreifen durch ihr Gebiet in 35min 15km zulegten. Der Wildhund fällt durch sein buntes Fell auf, das sehr kurz und struppig ist. Der Wildhund genannt Lycaon pictus, als bemaltes wolfähnliches Tier. Wildhunde sind nicht territorial.
Der Grundton von Haut und Fell ist schwarz, doch ist sein Fell übersäht mit Flecken verschiedener Braun-, Rot- und Gelbtöne. Dadurch, dass die Musterung keinem bestimmten System folgt, gleicht kein Wildhund dem anderen ganz und gar. Nur die weiße Schwanzspitze ist bei allen Wildhunden wieder zu finden. Die großen Ohren der Wildhunde sind ein Indikator für die Wichtigkeit der Hörfunktionen, welche überwiegend zur Kommunikation untereinander dient. Der außerordentlich gute Geruchssinn ist wichtig, um die Rudelmitglieder zu erkennen.
Die Wildhunde sind eine eigene, durch die Evolution entstandene Rasse und nicht wie angenommen eine Züchtungsrasse anderer Verwandter. Sie leben größten Teils in Rudeln, welche durch ein monogames Pärchen geführt werden.
Lebensraum
Der Wildhund lebt in den afrikanischen Savannen. Er richtet sich im Wesentlichen nach den verfügbaren Beutetiervorkommen sowie den dort lebenden Fressfeinden. Er liebt weite Flächen, und meidet Wälder und Wüsten. Sein Lebensraum ist heute im Vergleich zu früher auf nur noch wenige afrikanische Länder beschränkt. Viele von ihnen leben in Tierreservaten und Naturschutzparks. Wildhunde brauchen viel Raum, ihre Reviere zählen bis zu 500 Quadratkilometer. Dennoch sind diese fließend, es werden also keine Markierungen gesetzt. Lediglich zur Oestrus-phase wird rund um den Bau von beiden Alphatieren, Männchen wie Weibchen, markiert, mehr um die Dominanz zu betonen, als zur Revierabzeichnung.
Ernährung
Das gesamte Rudel jagt stets zusammen. Die Wildhunde jagen wegen ihrer besonderen Jagdtechnik überwiegend tagsüber auch weil dann ihre großen Rivalen, die Löwen und Hyänen, zu dieser Tageszeit eben nicht jagen, sondern bevorzugt abends und nachts. Gejagt wird nur nach Bewegung. Sobald also ein Beutetier erspäht wird, welches sich bewegt, beginnt die Jagd. Das Alphamännchen führt es an. Nur kranke und junge Tiere bleiben dem Spektakel fern. Antilopen und Gazellen sind die gängige Beute, aber auch Kleintiere, wie Nagetiere, und Zugvögel werden nicht verschmäht. Diese Tiere werden in einer Hetzjagd bis zur Erschöpfung getrieben und dann vom Alphatier an den Beinen gepackt. Sobald das restliche Rudel angekommen ist, wird das Opfer in Stücke gerissen. Ein tödlicher Biss bleibt aus. Bei kleineren Säugetieren wird oft der „dead-shake“ angewendet, welcher der Beute das Genick oder den Rücken bricht. Bei größeren Tieren oder Tieren mit Hörnern wird in die Lippen oder Schnauze gebissen. Die Opfer sterben dadurch an einem Schock oder Blutverlust .Wildhunde jagen zweimal täglich, einmal morgens früh und einmal in den frühen Abendstunden. Da sie sich viel bewegen, ist der Energiebedarf, der durch Nahrung gedeckt werden muss, groß.
Sozialverhalten
Der „Lycaon pictus„ übersetzt bunter Hund, wie er genannt wird, ist ein äußerst soziales Tier. Er lebt in Rudeln von ca. zehn Tieren. Optimal besetzt sind Rudel mit bis zu 20 Tieren. Jedoch ist die es sehr abhängig von den Beutetiervorkommen. Früher bestanden die Rudel aus bis zu 100. Nur das Alphapärchen pflanzt sich fort. Die anderen Tiere werden beim Paaren behindert. Die Jungen werden allerdings gemeinschaftlich im Rudel aufgezogen. Es gibt also eine gewisse Rangordnung. Allerdings sind Kämpfe innerhalb des Rudels untypisch, Rangordnungskämpfe können dennoch vorkommen. Durch das Unterwerfungsverhalten wird sogar die eigene Hormonproduktion eines Tieres unterdrückt, damit sicher gestellt ist, dass sich nur das Alpha-Pärchen vermehrt. Eine Machtübernahme findet erst statt wenn die Reproduktion durch das Alphapärchen nicht mehr möglich ist, oder durch den Tod derer.
Der Wildhund gilt trotz seiner relativ geringen Körpergröße als stark. Er kann sich gegen andere Raubtiere durchaus zur Wehr setzen. Deshalb ist er tagaktiv. Neben den Löwen und Hyänen ist der Leopard ein großer Feind des Wildhundes. Er stellt besonders für den Nachwuchs eine große Bedrohung dar. Bekämpft wird der Feind stets gemeinsam vom gesamten Rudel.
Fortpflanzung
In einem Rudel darf sich also nur das Alphapärchen fortpflanzen. Die Paarung geschieht im stehen. Die Paarungszeit beginnt Anfang Februar. Schon vor der Paarung wir der Bau für die Welpen hergerichtet. Dazu werden teilweise alte ardvarks orwarthdogs Höhlen umgebaut. Oft werden immer wieder die gleichen Höhlen aufgesucht.
Die Tragezeit dauert 70 Tage. Ein Wurf umfasst 5-8 Welpen. Die afrikanischen Wildhunde sind die einzig bekannten Säugetiere, bei denen die Anzahl des Wurfes sich nach der Größe des Muttertiers richtet! Nur die Mutter, also das Alphaweibchen, ist mit der Säugung der Jungen betraut, allerdings beteiligt sich das Rudel bei der Aufzucht. Das bedeutet also, dass nur das stärkste Weibchen säugen darf. Leider hat dies zur Folge, dass das Immunsystem wenig vielfältig ist. Dies wäre anders, wenn die Jungen von möglichst vielen Weibchen gesäugt würden. Sind die Jungen größer, werden sie mit fester Nahrung, die die Erwachsenen Tiere nach einer Jagd auswürgen, gefüttert. Sollten doch entgegen der Rangordnung andere Welpen von anderen Muttertieren zur Welt kommen, werden diese oft vom Alphaweibchen getötet, oder das Muttertier wird gezwungen diese zu verlassen.
Die Sterblichkeit der Jungen während der ersten 2 Lebensjahre ist mit 66% sehr hoch. Sie sind sehr verletzlich und dort, wo die Löwenpopulation hoch ist, sind die Jungen besonders gefährdet, und ihr Vorkommen oft bereits stark reduziert. Bei einem Projekt unserer Organisation wurde beispielsweise ein kompletter Wurf durch eine überraschend in den Bau eingedrungene Puffotter ums Leben gebracht.
Die Sterblichkeit bei erwachsenen Tieren hingegen liegt bei 35% pro Jahr.
Bedrohung
Leider ist der Wildhund vom Aussterben bedroht. Die IUCN führt ihn auf ihrer Liste der vom Aussterben bedrohten Arten. Einst war er in allen Grassteppen südlich der Sahara verbreitet, heute kommt er nur noch in kleinen Teilen Afrikas, wie in Kenia, Botswana, Tansania, Simbabwe, Sambia und im südafrikanischen Krüger-Nationalpark vor. Es wird geschätzt, dass es nur noch ca. 600-1.000 einzelne Rudel gibt. Schuld daran ist der Mensch, der über das letzte Jahrhundert hinweg grenzenlose Jagt auf ihn gemacht hat. In den 60er Jahren wurden Wildhunde gejagt um die Beutetierpopulationen zu sichern. In vielen Gebieten gilt das heute noch als legal. Aber auch durch ein immer größeres Schwinden des natürlichen Lebensraumes und Krankheiten wie Tollwut und Staupe (Viruserkrankung) kommen immer mehr Tiere zu Tode.
Hinzu kommt, dass aus bisher unerklärlichen Gründen besonders viele Wildhunde in Tierfallen geraden, die für andere Tiere gedacht sind.
Der Erhalt der Wildhunde hängt von der Größe der Gebiete ab, in denen sie gehalten werden können. Zur Sicherung der Population werden mindestens 9 Rudel und ca. 10.000 km2 benötigt. Es wäre auch möglich verschiedene Meta- Populationen zusammen zu führen. Meta-Populationen sind Rudel oder Tiere welche in abgegrenzten Gebieten leben und keine Möglichkeit haben mit anderen Tieren zusammen zu kommen. Man könnte einzelne Tiere mit den jeweiligen gegengeschlechtlichen Tieren anderen Gruppen zusammen führen. Meta-Populationen können beispielsweise auch in Gefangenschaft leben. Jedoch sind in Freiheit lebende Tiere deutlich besser zur Fortpflanzung als jene, die in Gefangenschaft leben.
Es gab bereits zahlreiche Zusammenführungen solcher Gruppen. Einige verliefen erfolgreich, andere führten zum Aussterben des Rudels wegen Tollwut. Dies führte jedoch zu der Erkenntnis, dass Meta-Populationen gegen Tollwut geimpft werden sollten.
Für eine Lösung der Gefährdung der Populationen muss auch an eine harmonischen Koexistenz von Farmern und Wildhunden gedacht werden.



