„Safety Cap“, also das Einfangen von Raubtieren zum Schutz vor deren Tötung, ist heute notwendiger denn je. Viele Naturschutzgebiete Botswanas grenzen direkt an kommerziell genutztes Farmland botswanischer Rindfleisch-Produzenten. Konflikte sind hier vorprogrammiert, denn nicht selten kommt es zu Verlusten von Rindern durch Löwen und andere freilebende Großraubtiere, die bei der Futtersuche auf die ungeschützten Rinderherden treffen. Diese „Problemtieren“ werden von den Farmern vergiftet oder erschossen. Offiziell spricht sich die botswanische Regierung gegen den Abschuss dieser Raubtiere aus, doch die einzige Alternative, ein finanzieller Schadensersatz der Farmer, erweist sich als sehr schwierig. Seitens der Regierungen werden Ausgleichzahlungen für jedes gerissene Vieh angeboten. Die Ausgleichszahlung jedoch ist gering und der Nachweis, dass der Verlust eines Rindes durch wilde Raubtiere geschah so aufwändig, dass diese Bemühung sich für die Farmer kaum lohnt.
Das Ziel
Zum Ziel der Kalahari-Predator-Conservation gehört es, durch Aufklärung und in Kooperation mit den Farmern ein aktiver Partner im beschriebenen Konflikt mit den Raubtieren zu sein. Im Falle von Streifzügen wilder Raubtiere auf Farmland bieten wir uns aktiv an, die Tiere mit Hilfe von erfahrenen Spurenlesern aufzuspüren, einzufangen und durch einen Ortswechsel von der Farm fernzuhalten und gleichzeitig vor dem Abschuss zu bewahren.
Das Projekt
Der Konflikt zwischen Menschen und wildlebenden Raubtieren ist so alt, wie die menschliche Nutztierhaltung. Inzwischen hat der Mensch seinen größten Nahrungskonkurrenten aber soweit zurückgedrängt, dass die meisten Raubtierarten akut vom Aussterben bedroht sind – überall auf der Welt. Unser Projekt ist deshalb ein wichtiger Teil im Bestreben, dem Aussterben dieser Arten entgegenzuwirken.
Leider ist es nicht einfach, das Vertrauen der Rinderfarmer zu erlangen und auf ihre Zusammenarbeit zu bauen. Die Angst vor den Raubtieren, die Wut auf den entstehenden Verlust und die schlichte Unkenntnis über die trübe Aussicht der Natur ihrer Umgebung führt dazu, dass Löwen, afrikanische Wildhunde, Hyänen und andere Raubtieren immer noch ganz oben auf der Abschussliste stehen.
In Gesprächen mit den Farmern wird deutlich, dass sie unserem Bestreben pessimistisch gegenüber stehen und befürchten, dass die Tiere ohnehin nachdem Einfangen zum Jagen auf die Farm zurückkehren. In der Regel ist das nicht der Fall. Rudeltieren, wie Löwen und Wildhunde kehren zu ihren Gruppen zurück und nicht in erster Linie zurück auf die Farmen. Bei wenigen Einzelgängern, den sogenannten „ Nomaden- Tieren“, ist die Gefahr einer Rückkehr größer. Die Wahrscheinlichkeit kann jedoch reduziert werden, indem die Tiere in sehr weiter Entfernung in die Nationalparks zurück gebracht werden. Treffen die Nomaden-Tiere dort jedoch auf besetzte Rudel-Gebiete, werden sie angegriffen oder vertrieben und legen auf der Suche nach neuen Revieren oft weite Strecken zurück. Diese seltenen „Problemtiere“ werden in solchen Situationen auf unserer eigenen „Grasslad-Game Farm" aufgenommen, wo diese Tiere in einem großen Wildtiergehege eine Zuflucht finden und vor dem Abschuss sicher sind. Das Einfangen der Raubtiere bedarf großer Erfahrung und guter Ausstattung mit vielen Helfern und geeigneten Fahrzeugen. Natürlich sind wir sehr darauf bedacht, die Tiere so wenig wie möglich mit Narkosemitteln und Stress zu belasten. Der Kostenaufwand solcher Aktionen ist sehr hoch und wird derzeit von den beteiligten Projekten selbst getragen. Mittlerweile erfreut sich unser Vorhaben einer großen Zustimmung unter den Betroffenen und soll kontinuierlich ausgebaut werden. Leider müssen wir uns immer wieder bewusst machen, dass das Einfangen und Halten der „Problemtiere“ in Gefangenschaft nie eine optimale Lösung sein wird, denn der Löwe ist wie alle Tiere für die Freiheit geschaffen. Trotzdem bleibt das Projekt auf der Grassland-Farm oft die einzig sichere Alternative zum Überleben der Tiere.
Forschungsansatz „Conditioned Taste Aversion“ (CTA) – Eine antrainierte Abneigung gegen bestimmte Nahrungsmittel
Hand in Hand gehen diese Erfahrungen mit neuen Erkenntnissen über die Wildtiere ein. Aktuell gibt es verschiedene Ansätze, den wildlebenden Raubtieren das Farm-Rind durch eine „Therapie“ mit unverdaulichen Fleischstücken dieser Beute unschmackhaft zu machen, sodass die Tiere zukünftig die Jagd auf den Farmen von sich aus einstellen würden. Bei den gefangenen „Problemtieren“ wird durch vorbereitete Rindfleisch-Stücke eine Art Übelkeit und Unwohlsein hervorgerufen. Der Körper selbst reagiert in vielen Fällen mit einem „Gedächtnis“ für diese krankmachenden Nahrungsmittel, sodass das Tier im besten Falle anschließen einen erneuten Fressversuch des Fleisches mit demselben Geruch und Aussehen vermeiden wird. Diese Methode wurde in der Vergangenheit bei einigen kleineren Raubtieren schon erfolgreich getestet. Bei größeren, wildlebenden Raubtieren, wie es Löwe, Wildhund und Hyäne sind, ist diese Methode jedoch noch nicht vollends ausgereift. Die Grassland Farm bietet mit den gefangenen „Problemtieren“ eine ideale Voraussetzung, an diesem Ansatz weiterzuarbeiten und wissenschaftliche Studien über den Erfolg der Methode durchzuführen. Das Ziel ist es, die Tiere nach der Konditionierung mit Sender-Halsbändern in die Freiheit zu entlassen und zu beobachten, wie sich die Tiere nun in der freien Wildbahn verhalten. Wandern die Tiere zurück in ihr altes Revier? Wildern sie erneut auf den Farmen, oder hat die Konditionierung tatsächlich effektive Langzeitwirkung? Diese und andere Fragen sollen mit der Beobachtung anhand der GPS-Daten bald beantwortet werden können.
„Bis hierhin und nicht weiter“ – Geruchsinformationen als natürliche Eintrittsbarriere für Wildtiere
Ein anderer, Ansatz ist ebenfalls sehr vielversprechend, steht aber noch ganz am Anfang: Der Biologe, John „Tico“ McNutt forscht mit seinem Team an sogenannten „Geruchsbarrieren“. Tiere kommunizieren auf vielerlei Weise durch Markierung der Reviere mit Urin oder anderen Duftstoffen und geben dadurch Informationen an Individuen derselben, oder anderer Arten weiter. Eine Idee ist es, Naturschutzgebiete durch die natürlichen „Geruchsstoff-Barrieren“ zu markieren. Löwen z.B. würde vorgetäuscht, sie beträten ein fremdes Revier eines sehr starken Gegenübers. Das Ziel ist, dass die Tiere aus diesem Grund den Übertritt in das markierte Gelände vermeiden und ganz ohne Zäune oder andere Hindernisse in dem vorgesehenen Raum bleiben. Diese Methode wird derzeit ebenfalls getestet und auf Effektivität und Durchsetzbarkeit geprüft.
Meilensteine
Als ein Meilenstein des Projektes Safety-Cap, kann der aktuelle Ausbau des Aufnahmegeländes betrachtet werden. Damit sind wir in der Lage, weitere Tiere aufzunehmen und zu verpflegen. Ein anderer, sehr wichtiger Erfolg ist der Ausbau in der Zusammenarbeit mit Regierung und Behörden in Botswana zum Schutz der Raubtiere. Wir wollen in Zusammenarbeit ein breitgestreutes Aufklärungsprogramm zur Bildung der Farmer im Kalahari-Gebiet in Sachen Natur – und Artenschutz etablieren. Dadurch sollen möglichst viele Farmer in Zukunft in das Safety-Cap-Projekt integriert werden. Besseren Informationsfluss, schnellere Entschärfung akuter Problemfälle und gegenseitiger Erfahrungsaustausch, sollen in Zukunft das Überleben vieler Raubtiere der Kalahari sichern.
Projektverantwortung
Die Projektverantwortung trägt Willie De Graaff, Gründer des Kalahari- Predator-Conservation Projects. Willie arbeitet intensiv mit den Behörden der Nationalparks zusammen und hat langjährige Erfahrung im Umgang, Fang und Schutz mit den Raubtieren Botswanas.



